Fernet Branca, I bims & Saturn: Das Pöbel-Special

 In Digi-Snacks

Boah!

Also entweder komm ich verfrüht in die Midlife-Crisis und bin auf dem besten Weg, ein verbitterter, nörgelnder Digital-Pöbelpilz zu werden oder aber ich bin nicht der einzige, dem diese Branche in den letzten Tagen mal gehörig auf die Nerven ging. Aber ganz von vorn… Beginnen wir mit zwei „positiven“ Meldungen von Facebook und arbeiten uns dann weiter vor. Von Fernet Branca über „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ bis hin zur neuen Kampagne („Du kannst mehr“) von Saturn. Wuuusaaaa…

 

Facebook veröffentlicht neue Quartalszahlen und führt Umfrage-Tool ein

Eine feste Größe des Digi-Snacks sind die aktuellen Quartalszahlen von Facebook. Dass die 2-Milliarden-User-Grenze geknackt ist, ist ja bereits ein alter Hut. Neu hingegen ist die Tatsache, dass das Social Network erstmals mehr als 10 Mrd Dollar Umsatz in nur einem Quartal erwirtschaftet hat. Über den Link in der Headline findet ihr sämtliche wichtigen Zahlen sauber aufgeschlüsselt bei allfacebook. Zudem ist seit kurzem das Umfragetool von Facebook live, was so manchen Community Manager erfreuen und so manchen Redaktionsplan ein wenig interessanter gestalten dürfte.

 

Werber nässen sich wegen Fernet Branca Kampagne ein

Es ist lange her, dass ich aus unserer Branche so einen undifferenzierten, weltfremden Bullshit gelesen habe. So eine künstlich erzeugte Aufregung, die es sogar in die Regionalen Printmedien geschafft hat, wie der Wirbel, der nun bezüglich eines Plakats von Fernet Branca gemacht wird. Wer es noch nicht gesehen hat:

Wer das ernst nimmt, ist in der Branche vielleicht falsch. Wer sich so leicht auf den Schlips getreten fühlt, ist in der Branche vielleicht falsch. Und wer die offensichtliche Ironie hinter einer Kampagne nicht versteht, die bereits seit so langer Zeit läuft, ist in der Branche mit Sicherheit falsch. Das Ding ist: Nichts davon würde ich den prominenten Bedenkenträgern und Berufsbetroffenen rund um diesen „Eklat“ unterstellen. Vielmehr – und das ist eigentlich noch trauriger – scheint es hier mittlerweile schlicht und einfach um ein bisschen PR zu gehen, die sich irgendwo zwischen urdeutschem Mimimi (findet immer seine Reichweite) und bloßer Selbstinszenierung (#einerfüralle) bewegt. Und selbstverständlich ist es auch einfach ein schöner Hebel, um die Kampagne von Pilot ein wenig zu torpedieren. Ich jedenfalls fühle mich nicht diskriminiert. Und sollte ich ob meines Berufsstandes, der durch dieses Plakat natürlich unermesslich an Reputation eingebüßt hat, jetzt von meiner Familie geächtet und von meinen Freunden verstoßen werden, werde ich meine Meinung selbstverständlich ändern. Wahrscheinlicher ist aber, dass gar nichts passiert. Sowohl meine Kollegen, als auch Familie und Freunde verfügen über ein Mindestmaß an Humor und die meisten haben keinen Bock, ihre Energie zu verschwenden, um sich über solchen Blödsinn aufzuregen. Allen Interessierten sei auch der Meinungsartikel von Hartwig Keuntje zu dem Thema ans Herz gelegt. Sehr gut geschrieben.

 

„Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ darf seine eigenen Tassen nicht mehr verkaufen

Serwus I bims 1 Markenstreit. Viele erwarten jetzt vielleicht eine der vielen Hasstiraden auf die bösen, bösen Leute, die unsere schöne wohlklingende deutsche Sprache mit Redewendungen wie „I bims“ und „vong“ so verhunzen und die im Alleingang verantwortlich dafür sind, dass die Jugend von heute angeblich immer dämlicher wird. Falsch! Ich oute mich mal als Befürworter von „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ und dem damit einhergehenden Slang. Ich fand es lustig als Gegenbewegung zu diesen unfassbar kitschigen, intellektuell jämmerlichen Sprüchen, die einem auf Bildern von Sonnenuntergängen und Kornfeldern und Wiesen entgegenspringen. Ich habe bisher wirklich selten Menschen bei Facebook aus meiner Freundesliste geschmissen oder blockiert, aber wenn, dann wegen so minderwertigem Scheiß. Genau das dachte sich wohl auch „Willy Nachdenklich“, als er seine Seite ins Leben rief und eine Satire auf genau diesen Trend startete. Soviel von mir als Fanboy. Viele Monate war alles gut. Andere Seiten sprangen auf den Zug mit auf, Merchandise wurde von verschiedenen Händlern verkauft, alle Beteiligten lebten in perfekter Sümboze Simbü Symbiose in einer wunderschönen, kunterbunten Blase, in der die Menschen reden dürfen wie gut gelaunte Idioten.

Jetzt kommt da so ein Werber daher – vermutlich einer von denen, die für den schlechten angeschlagenen interessanten Ruf der Branche verantwortlich sind (siehe Mimimi weiter oben) – lässt die beiden Grundpfeiler dieses Trends Markenrechtlich schützen und sorgt dafür, dass der Initiator (und diverse Nutznießer) seinen eigenen Kram bei Amazon nicht mehr verkaufen darf, wenn die Worte „I bims“ oder „vong“ enthalten sind. Jaja, „so ist das Business“, cleverer Geschäftsmann, blablabla… Kommt schon: wäre die Nummer nicht so ein Dickmove gewesen, hätte es das vermutlich nicht in die breite Onlinepresse geschafft. Ein bisschen Anstand kann man erwarten. #ehrenlos

 

Die neue Saturn-Kampagne bewegt… äh… ja, wen denn?

Es geht wieder los. Die Taschentuchabverkäufe in Deutschland werden Spitzenwerte erreichen, denn es ist wieder diese Zeit des Jahres. Brace yourselves. Emotions are coming. Zu keiner Zeit im Jahr entfernen sich Unternehmen in ihren Kampagnen so weit von ihren eigentlichen Markenversprechen und USPs, um den Frontalangriff auf unser limbisches System zu starten. Da werden die ganz großen Geschütze aufgefahren, damit vor’m Fernseher auch ja kein Auge trocken bleibt und die (erwachsenen, mündigen) Kunden im besten Falle laut heulend auf dem Sofa sitzen und Mama anrufen, um ihr zu sagen, dass sie die beste ist. Als das noch neu war, war es ja eine schöne Idee. Dass sich dieselbe Formel jetzt aber Jahr für Jahr bei verschiedenen Unternehmen einfach wiederholt, treibt auch mir die Tränen in die Augen, allerdings nicht vor Rührung. Ob #heimkommen oder #zeitschenken oder jetzt #dukannstmehr – alle Spots und Kampagnen sind technisch blitzsauber und einwandfrei umgesetzt. Aber der Trigger der reinen Betroffenheit und Rührung zur Vorweihnachtszeit rangiert mittlerweile (zumindest bei mir) in Sachen (Online-)Marketing irgendwo zwischen Adventskalendern auf Facebook und den oben bereits angesprochenen tiefgründigen Zitatpostings mit Sonnenuntergangsbildern. Nicht zuletzt weil die neuen Spots jedes Jahr wieder in sämtlichen Medien totgeschrieben und hochgejubelt werden. Aber vielleicht haben meine Kollegen ja auch recht und ich habe einfach ein Herz aus Stein. Aus schwarzem Stein. Der mit Eis ummantelt ist. Hier auf jeden Fall der aktuelle Spot. Besonders schön finde ich es, wie dort nicht für den Retailer selbst Werbung gemacht wird, sondern für ein Produkt, das man sich dann auch einfach bei Amazon bestellen kann.

 

So. Ich bin fertig. Danke für’s Lesen. In diesem Sinne: I trimk jetzt 1 Fermed Blanko und geh zun Weinen in Saturn.

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Dennis

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